Perger - Gemeindezeitung 3/2021

7 PERGER GEMEINDEZEITUNG 03/21 I www.perg.at GEMEINDE/POLITIK Neuer Freizeitpark für Perg Harald Marschner stellt der Perger Bevölkerung seinen Mühlsteinbruch zur Verfügung. Bürgermeister Anton Froschauer und Harald Marschner stellten am 05. August 2021 im Rahmen einer Zusammenkunft (Stadtgemeinde Perg, Grundbesitzer Harald Marschner und angrenzende Nachbarn) das geplante Projekt vor. Zukünftig soll das Areal der Bevölkerung als Freizeitpark mit 6.000 Quadratmeter offen stehen. Kleinere Konzerte und Theateraufführungen, aber auch Picknicks mit der Familie sind in dem neuen Freizeitpark, auf dem gezielt auf eine Infrastruktur (WC, Strom, etc.) verzichtet wird, möglich. Autos können im Stadtzentrum abgestellt werden, man erreicht das Areal in 10Gehminuten. Somit soll ein neuer Ort der Erholung geschaffen werden. Kerngraben Mühlsteinbruch In der alten kk Monarchie war Perg das Zentrum der Mühlsteinerzeugung. Seit demMittelalter wurden aus den Perger Sandsteinbrüchen bis zu 2.000 Mühlsteine pro Jahr herausgehauen. Die Zunft der Perger Mühlsteinhauer war das bedeutendste Gewerbe des Ortes. Im 18. Jahrhundert, der besten Zeit der Mühlsteinhauer, gehörten ihr 40 Meister an. Der Kerngraben Mühlsteinbruch ist der älteste der sieben heute noch bekannten Mühlsteinbrüche, in dem noch bis in die 1940er Jahre gearbeitet wurde. Der größte ist der unter Denkmalschutz stehende Scherer-Bruch, der im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann. Die Mühlsteine wurden direkt aus dem Sandsteinfelsen „gehauen“ oder „gebrochen“. Die spezialisierten Arbeiter nannten sich früher „Mühlsteinbrecher“ und später „Mühlsteinhauer“. Zunächst wurde eine ebene Fläche in den Felsen gehauen. Darauf wurdemit einemZirkel der Umfang des Mühlsteines angerissen, um ihn dann mit schweren Spitzhämmern heraus zu hauen. Als der Mühlstein frei lag, trieb der Mühlsteinhauer an der Unterkante des Mühlsteines eiserne Keile in den Felsen, umden rohenMühlstein abzusprengen. Es ist überliefert, dass ein geübter Mühlsteinhauer pro Woche zwei Mühlsteine aus dem Felsen heraushauen konnte. Am wieder frei liegenden Felsen ist diese Arbeitsweise noch sehr gut erkennbar. „Mühlsteinbruch Kerngraben 1902“ Anschließend wurde der sogenannte Mühlstein-Rohling in der Werkstätte vom Steinmetz auf das bestellte Maß zugerichtet. Ein fertiger Mühlstein hatte einen Durchmesser von 70 bis 140 cm Durchmesser und erreichte ein Gewicht von 400 bis 1.500 kg. Die Perger Mühlsteine fanden nicht nur in Mehlmühlen Verwendung, sondern auch in anderen Industrien. Mit Mühlsteinen wurde in Papierfabriken das Schleifholz zerfasert oder Lumpen gewalkt, Farbpigmente gerieben, Kaffee gemahlen, Obst gerieben, Golderz zerkleinert, Senf gemahlen und vieles andere mehr! „ Josef Panholzer beim Hauen eines Mühlsteins“ „Steinmetz-Werkstätte im Kerngraben 1910“ Der Kerngraben Mühlsteinbruch ist nun wieder begehbar. Das Heimathaus-Stadtmuseumund das Mühlsteinmuseum Steinbrecherhaus informieren über die höchst interessante Geschichte der Perger Mühlsteine. © gemeindejournal

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