Perger - Gemeindezeitung 3/2025

GESCHICHTE In verschiedenen Publikationen werden die Ereignisse des Jahres 1945 detailreich geschildert, sodass wir fragmentarisch auch Kenntnis davon haben, was sich in Perg und Umgebung in diesen Wochen und Monaten zugetragen hat. Monsignore Pfarrer Franz Auzinger hat im Jahr 1995 verteilt über alle Pfarrblätter dieses Jahres eine Artikelserie mit Auszügen aus den Eintragungen von Pfarrer Karl Mayr in der Pfarrchronik über die Ereignisse im Jahr 1945 veröffentlicht. Im Heimatbuch Perg 2009 berichtet Wolfgang Lehmann über Chaos und Flüchtlingsströme und das nahende Ende und schildert in einem eigenen Kapitel die Tage des Umbruchs 1945 unter der Überschrift „Zwischen Hoffen und Bangen“. Er hatte dazu Pfarr-, Schul- und Vereinschroniken sowie private Aufzeichnungen gesichtet und Befragungen durchgeführt. Das Heimatbuch Perg 2009 und der Ergänzungsband 2019 kann im Heimathaus-Stadtmuseum Perg während der Öffnungszeiten zum Preis von jeweils € 9,90 erworben werden. Mitarbeiter des Museumsteams geben bei Bedarf Auskünfte zur Geschichte der Stadt Perg. Erinnerungen einer Frau, die zu Kriegsende 6 ½ Jahre alt war, aufgeschrieben ca. 2005. Einmal nach der Entwarnung war die Aufregung groß. Beim Burgholzer (Mühlsteinwerk am Bahnhof) hat eine Bombe eingeschlagen. Alle sahen in den riesigen Krater und staunten. Perg, Herrenstraße: Durchziehende befreite französische und belgische Kriegsgefangene auf dem Weg nach Westen in ihre Heimat Ich staunte auch. Wahrscheinlich hätte die Bombe den Bahnhof treffen sollen. Ein amerikanisches Flugzeug wurde zu Kriegsende abgeschossen. Da wurde ein Soldat mit blutigem Nasenverband und Halskrause ins Lazarett (heute Mittelschule Perg Stadtzentrum) gebracht. Ich hatte damals als Sechsjährige sehr gestaunt, dass der Amerikaner aussah wie die Österreicher. Im Mai 1945 war der Krieg zu Ende. Es marschierten Scharen von Häftlingen durch Perg. Flüchtlinge mit Roß und Wagen kamen und lagerten in den Stadln der damaligen Stadlstraße (heute Naarner Straße). Es war ein fürchterliches Chaos. Wir hatten keine Schule, die Räume wurden dringend zur Unterbringung der Flüchtlinge gebraucht. Die Russen kamen, die Amerikaner kamen, im Lazarett (HS I) ist das ganze Küchenpersonal auf und davon. Aufzeichnungen eines zum Zeitpunkt des Kriegsendes 77-jährigen Unternehmers aus Perg, aufgeschrieben Ende 1945: PERGER GEMEINDEZEITUNG 03/25 I www.perg.at 26 Vor 80 Jahren in Perg und Umgebung

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