Perger - Gemeindezeitung 4/2025

Hitzeferien waren auf Grund einer Verordnung des Landesschulrates aus dem Jahr 1906 gestattet, die bis 1966 angewendet wurde. Die Regelung berief sich auf § 60 der Schul- und Unterrichtsordnung für Volks- und Bürgerschulen. Dort hieß es: In der heißen Jahreszeit kann der Landesschulrat durch Verordnung gestatten, dass der Unterricht für eine bestimmte Zeit ausgesetzt oder verkürzt wird, sofern gesundheitliche Gründe dies nahelegen und die Unterrichtsziele dadurch nicht gefährdet werden. Im oberösterreichischen Schulzeitgesetz aus dem Jahr 1966 sind keine Bestimmungen über Hitzeferien mehr enthalten und damit ist seit damals auch die Verordnung aus dem Jahr 1906 nicht mehr gültig, wie aus einem Schreiben des Bezirksschulrates Perg aus dem Jahr 1967 an die Schulleitungen und Direktionen hervorgeht. Hitzewellen nicht nur in Österreich Im Jahr 1950, also vor 75 Jahren war es in vielen Regionen Europas extrem heiß. Temperaturen von 36 Grad Celsius und mehr wurden u.a. in Rom, Madrid und Budapest gemessen. Die Werte zählten dort zu den höchsten des Jahrzehnts. Hitzewelle in Österreich 1950 In Österreich zählte das Jahr 1950 zu den heißesten Jahren. Lange Zeit galten die 39,3 Grad Celsius, die in Leibnitz am 05. Juli 1950 gemessen wurden, als österreichischer Hitzerekord. Dieser wurde erst 63 Jahre später, im Jahr 2013 eingestellt, als zunächst am 03. August in Seibersdorf 39,7 Grad Celsius und in Dellach im Drautal 39,9 Grad Celsius gemessen wurden. Aber diese neuen Rekordwerte wurden bereits einige Tage später, am 09. August 2013, übertroffen, als in Bad Deutsch-Altenburg 40,5 Grad Celsius gemessen wurden. Hitzewelle im Bezirk Perg Im Bezirk Perg war es gemäß den Aufzeichnungen der Wetterstation Pabneukirchen 1950 bereits im Mai ungewöhnlich heiß. Am 22. Mai wurden 31,8 Grad Celsius gemessen. Ende Juni begann eine Hitzewelle mit mehreren Tagen über 34 Grad Celsius, die am 05. Juli 1950 Tag zu einem lokaler Hitzerekord mit 37,5 Grad Celsius führte. Dieser Rekord wurde bis heute noch nie übertroffen. Auch in späteren Jahren gab es Hitzeperioden mit mehr als 36 Grad Celsius in den Jahren 2003, 2013, 2015 und 2023. Vor 75 Jahren: Als es in Österreich noch Hitzeferien an den Schulen gab Hitzeferien in der Hauptschule Perg Der von Hauptschuldirektor Wilhelm Förster geführten Chronik der Hauptschule Perg betreffend das Schuljahr 1949/1950 entnehmen wir folgende Ausführungen: Hitzeferien im Schuljahr 1949/50 „Die Frühsommermonate als Ausklang des Schuljahres kennzeichneten sich durch eine besonders niederschlagsarme, heiße Periode. Die Sonnenstrahlung glühte durch die südlich gelegenen Klassenfenster, die noch immer ohne Rollo sind, seit der Zeit, als die Schule als Ubikation für Truppen des Besatzungselements diente, welch letztere die Rollo nach langen Märschen als Fußlagen benützten. Die Temperaturen lagen zwischen 26 Grad im Schatten der freien Luft um 12 Uhr und 32 Grad im Schatten, bereits um 9 Uhr vormittags. Die Schüler klagten wegen auftretender Kopfschmerzen. Der Unterricht – soweit dies möglich war, fand „unter den Linden“ in den Zugangsalleen statt. An 8 Tagen in dieser Zeit vom 6. Juni bis 3. Juli wurde Unterrichtsentfall ab 14 Uhr wegen zu großer quälender Hitze angeordnet.“ Auch in den Schuljahren 1950/51 und 1952/53 sind in der Hauptschulchronik Hitzeferien erwähnt. Unterrichtsentfall im Schuljahr 1950/51 „Hitzeferien gemäß SchUO. Es wurde kein Nachmittagsunterricht erteilt am 15., 18., 22., 23., 27. Juni und 2. Juli 1951. Um 10 Uhr waren in freier Luft im Schatten 22,5 bis 24 Grad Celsius. Die Klassentemperaturen um 10 Uhr waren 23 Grad bis 27 Grad Celsius.“ Unterrichtsentfall im Schuljahr 1952/53: Der provisorische Direktor, Richard Seidl schrieb in die Schulchronik: „Hitzeferien am 20., 23., 24. Juni und 4. Juli je 2 bis 3 Nachmittagsstunden.“ GESCHICHTE Ausschnitt Chronik PERGER GEMEINDEZEITUNG 04/25 I www.perg.at 26

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