GESCHICHTE Die Chronik als Fundgrube Seit mehr als 150 Jahren wurden und werden noch immer Aufzeichnungen geführt über einen Verein, eine Schule, die Pfarre, einen Betrieb oder auch über die Familie. Sie wurden von einem Chronisten meist sehr genau und interessant gestaltet. Herausfordernd beim Lesen und Entziffern ist dann oft die Handschrift in Kurrent. Im Archiv des Heimathauses befindet sich eine ganze Reihe solcher Chroniken. Oft genug schon waren sie eine wahre Fundgrube für Informationen, die man dann auch verwerten kann. Sie bewahren Spuren unserer Gemeinschaft. Als museale Objekte bündeln sie Ereignisse, Bilder und Erzählungen zu einer greifbaren Zeitreise. Die Chronik des Musikvereins Im Rahmen des letzten Cäcilienkonzertes übergab der Obmann des Musikvereins Perg, Mag. Wolfgang Leitner, die Vereinschronik an den Obmann des Heimat- und Museumsvereins Franz Moser mit den Worten: „Wir haben uns in letzter Zeit mit den Schätzen in unserem Archiv beschäftigt. Dabei sind wir auf viele interessante Dinge gestoßen. Ein Protokollbuch, geführt ab 1901, noch ältere diverse Schriftstücke, Fotos und Urkunden. Den größten Teil davon übergeben wir nun euch, damit es gut aufgehoben wird und nicht verkommt.“ Franz Moser: „Das ist sehr lobenswert, das alles gehört als Vereinschronik im Archiv des Heimathauses aufbewahrt. Damit ist sie auch für jeden Interessierten zugänglich. Und wir werden etwas daraus für die Öffentlichkeit machen.“ Eine interessante Ausstellung Im April wird in Zusammenarbeit von Musikverein und Heimatverein diese Fundgrube aufgearbeitet und der Öffentlichkeit präsentiert. Beim Stöbern in der Chronik der „Musikkappelle Perg“ ab 1901 kann man die wunderschöne Kurrentschrift betrachten und zu entziffern versuchen. Leichter wird es ab 1930 – da trifft man auf die ersten maschingeschriebenen Seiten. Besonders interessant sind diverse Plakate. Zu Lesen gibt es da über große Erfolge und auch Krisen des Vereins. Bekannte Personen tauchen auf, auch persönliche Querelen. Ein Bescheid der Reichsstatthalterei Oberdonau vom Jahre 1939 verfügt die Auflösung des Vereins. Im Jänner 1946 wird jedoch schon wieder von der Neugründung berichtet. Staunen kann man auch über die Preise, z. B. von Instrumenten – in Kronen und Heller oder in Schilling und Groschen. Die Vielfalt der Chroniken Pfarrer, Schuldirektoren, Vereinsfunktionäre oder auch in Familien Talentierte erwarben sich große Verdienste in der Führung der Chroniken. Im Heimathaus-Stadtmuseum sind eine ganze Reihe davon aufbewahrt. Auch sie sollen im Rahmen der Ausstellung gezeigt und präsentiert werden. Man kann immer nur staunen, mit welch großer Genauigkeit und Sorgfalt die Geschehnisse uns überliefert werden. Der Wert einer Chronik liegt nicht nur im Festhalten von Daten, sondern im Bewahren von Identität, Werten und gemeinsamen Erfahrungen – sei es in der Schule, der Pfarre, im Verein oder in der Familie. Ein eigenes Projekt? Die Ausstellung im Museum soll uns allen vor Augen führen, wie wertvoll das Bewahrte ist. Man soll Wichtiges und Schönes ja nicht wegwerfen (zum Beispiel bei einem Nachlass) – unser Stadtmuseum ist der richtige Ort, an den es kommen sollte. Warum aber auch nicht, selbst eine Chronik zu beginnen oder weiter zu führen und somit Ressourcen für Nachfolgegenerationen bereit zu stellen. Übergabe von Obmann zu Obmann © Heimat- und Museumsverein Perg Die Statuten 1901 © Heimat- und Museumsverein Perg Die Chronik als Fundgrube Ausstellung im Heimathaus-Stadtmuseum Perg Eröffnung: 26. April, 15.00 Uhr Plakat Musikverein 1948 © Heimat- und Museumsverein Perg PERGER GEMEINDEZEITUNG 01/26 I www.perg.at 18
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